Das Wandern und wir

Das Wandern und wir

Schwiiz, I ha di gärn
Wandern ist die Sportart Nr. 1 in der Schweiz. Erfahren Sie, warum die Bindung zwischen Mensch und Natur in der Schweiz besonders eng ist.

Warum wir Schweizer das Wandern lieben

Seit jeher ist die Schweiz weltweit eine der beliebtesten Destinationen für Wanderungen - und das Wandern die liebste Freizeitbeschäftigung der Schweizer. Aus gutem Grund: Über 65.000 Kilometer Wanderwege führen quer durch die beeindruckende Landschaft der Schweiz und lassen uns die Schönheit der Natur wahrnehmen und geniessen. 

Aber wann und wie hat eigentlich die Tradition und Liebe der Schweizer zum Wandern begonnen? Wir werfen gemeinsam mit Ihnen einen Blick auf die Geschichte des Wanderns, stellen erste Wegbereiter vor und haben interessante Fakten, welche die Schweiz einmal mehr als Paradies für Wanderungen bestätigen.

Die Anfänge des Wanderns

Als Wanderungen strafbar waren

Um die grosse Liebe zwischen uns Schweizern und dem Wandern zu verstehen, müssen wir einen Blick in die Vergangenheit werfen. Denn Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Weiden oberhalb der Waldgrenze bereits 4000 v. Chr. genutzt wurden – und Menschen bereits damals eine Art von „Wanderung“ unternommen haben. Genaueres ist darüber leider nicht bekannt. 

Erste konkrete Übermittlungen kommen aus dem Mittelalter, in denen die Berge allerdings als eine Bedrohung für die Menschen dargestellt wurden. Berge waren von Sagen und Legenden umwoben und galten als Sitz von Dämonen. Den Schweizern war deshalb untersagt, sich diesen „Dämonen“ zu nähern. 

Eines der berühmtesten Beispiele aus der Schweiz: 1387 liessen die Behörden der Stadt Luzern den Mönch Niklaus Bruder und seine fünf geistlichen Begleiter einkerkern, da sie eine Besteigung des mythenumrankten Berg Pilatus versucht hatten.

Erste Wanderungen im 16. Jahrhundert

Die Bewegung des Humanismus im 16. Jahrhundert brachte schliesslich eine neue Umweltwahrnehmung mit sich und erlaubte ersten Wegbereitern, ihrer Sehnsucht nach den Bergen nachzugehen. 

So war schliesslich der Schweizer Joachim Vadian der Erste, der 1518 den Pilatus erklimmen konnte und auch Conrad Gessner, einer der berühmtesten und wichtigsten Naturforscher der Schweiz, erkannte früh die Schönheit und den Mehrwert einer Wanderung  - den er 1541 in einem seiner Bücher so erklärte: „Ich bin stark entschlossen, jedes Jahr einige Berge oder mindestens einen zu besteigen (…) sowohl, um die Bergflora zu untersuchen, als auch meinem Körper eine edle Übung und meinem Geist zu Freude zu verschaffen.“

Der grosse Aufstieg der Wanderleidenschaft

Dank der starken, naturwissenschaftlichen Interessen im 18. Jahrhundert ging es mit der Beliebtheit von Wanderungen weiter steil bergauf. Eine Wanderung in den Bergen wurde für die breite Bevölkerung zugänglich und mit „Peaks, Passes and Glaciers“ wurde bereits 1859 der erste Clubführer veröffentlicht.

1871 folgte mit „The Playground of Europe“ von Leslie Stephen dann das erste Bergbuch. Die bis dato so lange, unentdeckte Natur der Berge wurde also nach und nach erforscht - und der Trend Wandern war geboren.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts waren Bergerklimmungen und Wanderungen in den Schweizer Bergen übrigens bereits eine echte Reisesensation in Europa. Die ersten bekannten Zentren des Alpinismus waren dabei Grindelwald und Zermatt.

Wandern im 21. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert sollte schliesslich die Zeit der Wanderwege werden. In den 1930er Jahren begann man zuerst Strassen in den Bergen zu bauen – erkannte aber schnell, dass auch naturbelassene Wanderwege abseits davon nötig waren. Gesagt, getan.

Dank der zirka 50.000 Wegweisern und 65.000 km gekennzeichneten Wanderwege ist das Wandern heute das, wie wir es kennen: eine Freizeitbeschäftigung auf höchstem Niveau, die –  bis auf den Aufstieg mit einem Sessellift oder einer Gondel – auch noch kostenlos ist.

Dabei bewegen wir uns meist auf sicheren Wanderwegen, können aus mehreren Wanderungen wählen – je nach Wunsch mit oder ohne Bergführer - und haben mit den traditionellen Berghütten auch noch mehrere Verköstigungsmöglichkeiten zur Verfügung. 

Nicht zu vergessen: Mittlerweile sind fast alle Wanderwege digitalisiert und eine exakte Kartenansicht ist für jede Route auch online verfügbar. Ausserdem kann man dank spezieller Wander-Apps mit eigenem GPS-Tracking und Offline-Kartenansicht mittlerweile ganz ohne Wegweiser seinen Weg zum Gipfel finden.



Traditionen am Berg: ein Einblick ins Älperleben

Während Wanderungen langsam aber sicher immer beliebter wurden, hat sich auch in den Bergen ein eigenständiges Leben entwickelt: die Alpwirtschaft. Im Zuge dessen bildeten sich auch verschiedene Bräuche heraus, die die Schweiz bis heute zurecht stolz machen – und die man, mit etwas Glück, auch noch während oder nach einer Wanderung beobachten kann.

  • Die Feierlichkeiten zu den festlichen Auf- und Abzügen der Weidetiere auf bzw. von den Bergen.
  • Der Betruf (Alpsegen): Am Ende eines langen Arbeitstags sucht dabei ein Älpler – in der Regel der Obersenn – eine erhöhte Stelle mit einem Holzkreuz, um mit seiner „Folle“ (einen hölzernen Milchtrichter) einen Klang zu erzeugen, der bei schönen Wetter bis ins Tal zu hören ist. Der Sprechgesang des Betrufers hat dabei die Funktion eines Schutzrituals für alle Bewohner und Besucher der Berge. Auf dem Gebiet der heutigen Schweiz kann das „Ave-Mariarüeffen“, wie es einst genannt wurde, erstmals im 16. Jahrhundert auf den Alpen des Pilatus nachgewiesen werden. Seine Ursprünge gehen aber vermutlich sogar ins Spätmittelalter zurück.
  • Die Älplerchilbi: Ende Oktober bzw. Anfang November wird seit über 400 Jahren der Abschluss des Alpsommers mit dem Älperfest Älplerchilbi gefeiert. Dabei kommen Bauern zusammen, um Gott für die empfangenen Gaben zu danken. Typisch für dieses riesige Fest sind auch die beiden Wilden, Hude und Läsi. Sie erinnern an uralte Zeiten, in denen in den Bergen noch Reste der heidnischen Urbevölkerung lebten - die sogenannten Wilden. Diese "Wilden" halfen den damals neu zugewanderten Bauern bei ihrer Arbeit auf der Alm. Als Dank für ihre Hilfe wurden sie von den Bauern zu dem Älperfest eingeladen.        - Chäseteilet: Bevor im Herbst das Kuhglockengeläute endgültig über den Alpen verklingt und das Älperleben vom Sommer vorüber ist, wird noch die Chäseteilet gefeiert – eines der traditionsreichsten Bergfeste der Schweiz. Dabei wird der Käse unter den Bauern geteilt und im Anschluss wird gefeiert.

Schweizer Fakten rund ums Wandern

Kein Wunder also, dass durch die Weiterführung dieser Traditionen und der ständigen Weiterentwicklung der Wanderwege das Wandern in der Schweizer Bevölkerung immer beliebter wird. Hier zum Schluss noch ein paar Fakten, die das bestätigen:

  • Wandern ist in der Schweiz beliebter denn je und offiziell die beliebteste Sport- und Freizeitaktivität.
  • Etwa 44 % der Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren unternehmen Wanderungen: Das sind 2,7 Millionen Schweizer (Quelle: Sekundäranalyse "Wandern in der Schweiz 2014). 
  • Zusätzlich kommen jährlich 300.000 Touristen in die Schweiz zum Wandern.
  • Dabei werden jährlich 54 Millionen Wanderungen absolviert, wobei die Schweizer und ihre Besucher zirka 162 Millionen Stunden mit Wandern verbringen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen einen Eindruck in die einzigartige Geschichte und ihre Besonderheiten rund um die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Schweizer geben konnten. Es war – trotz allem – nur ein winziger Einblick, denn das Schweizer Wanderparadies ist vielfältig, abwechslungsreich und voller Überraschungen. Wenn Sie mit uns weiter in die wunderbare Welt des Wanderns eintauchen möchten, besuchen Sie uns auf „Schwiiz, I ha di gärn“.

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